GEschichte
In den Jahren nach 1871 hatte die damalige Jüdische Gemeinde in Basel starken Zulauf. Zum einen aus dem benachbarten Deutschland, aber vor allem aus dem ebenfalls nahen Elsass. Seit dem Krieg von 1870/71 gehörte Elsass (wieder) zum deutschen Kaiserreich, was viele französisch gesinnten Jüdinnen und Juden veranlasste, ihre Heimat zu verlassen. Entweder, wie der nur wenig später zu traurigen Berühmtheit gelangte Hauptmann Alfred Dreyfus, ins französische Kernland oder dann eben in die Schweiz: Und diese grösser werdende Basler Gemeinde musste ihren damaligen Mitgliedern auch mehr bieten als «nur» Religion und politische Vertretung. So gründete sich 1879 unter dem lateinischen Namen «Fraternitas» ein (Brüderlichkeit) ein Verein, der die «Freundschaft und die Geselligkeit unter seinen Mitgliedern» pflegen wollte, wie es in den Satzungen hiess. Ab 1889 hiess der Club nun «Verein Neuer Cercle» und suchte nach einem Vereinslokal in Umgebung der Synagoge, wo sich die jüdische Jugend, damals vor allem die Männer, treffen konnten für Diskussionen, aber auch um Kaffee zu trinken, Zeitung zu lesen und sich in praktischer Gemeindepolitik zu üben. Dies um, wie es in den Statuten auf Französisch hiess, «der Gemeindeadministration die unverzichtbaren homogenen Elemente zu liefern, die es für das Gedeihen der Kehilla braucht».
1897 kann der Verein, aus dem später der aktuelle Verein «Neuer Cercle» werden wird, das heutige Lokal erwerben, nachdem man sich vorher, während einiger Jahre, an verschiedenen Orten in der Altstadt getroffen hatte. Auch im Stadt-Casino im Zentrum der Stadt.
Dieses Stadt-Casino war aber nicht nur Austragungsort zahlreicher Zionistischen Kongresse ab 1897, sondern verfügte auch über einen Restaurationsbetrieb, der auch für jüdische Gäste, darunter auch Kartenspieler, attraktiv war. Einige von ihnen litten bald unter
negativer Aufmerksamkeit antisemitischer Kreise, die in der Stadt wie anderswo zunehmend die Zuwanderung jüdischer Menschen aus Osteuropa aufs Korn nahmen. Wie etwa die sich selbst «Kulturzeitschrift» nennende Postille «Der Samstag», die ganz im Stil späterer Nazi-Blätter 1909 ihren Spott über die Tatsache goss, dass das Stadt-Casino, von der Zeitschrift «Mauscholeum» genannt gerade renoviert werden musste und dabei vor allem auf osteuropäische jüdische Gemeindemitglieder zielte: Den «verfaulten Fussboden» müsse man ersetzen, weil die «herumsitzenden Gäste, (..) geifern, spucken und spielen, ein Viertel Liter Flüssigkeit zu sich nehmen und dafür einen ganzen Liter auf den Boden speien», so schrieb der «Der Samstag». Dieser «russisch-jüdische Plattfuss-Schweiss», so die Hetzzeitschrift weiter, sei eben von «direkt holzzersetzender Schärfe.»
Wie auch immer: Im Cercle wurde also bald Karten gespielt. Es ist zu vermuten, dass in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als die Stadt voll war mit jüdischen Flüchtlingen, denen es damals behördlich verboten war, sich in die Restaurants und Kaffeehäuser der Stadt zu setzen, das Cercle zu diesem Zweck und auch aus sozialen Gründen noch stärker frequentiert wurde, man war eben sozusagen unter sich.
1879
1889
1897
1974
2010
Gründung der „Fraternitas“ als Verein zur Pflege von Freundschaft und Geselligkeit unter seinen Mitgliedern.

Umbenennung des Vereins in „Neuer Cercle“ (heutiger Name).
Erwerb des Hauses am Schützengraben 16. Jüdische Handwerker und Gewerbetreibende trafen sich täglich nach der Arbeit, um Karten zu spielen, Zeitung zu lesen oder Kaffee zu trinken und zu diskutieren.

Bau des „Haus Eden“ mit Alters- und Studentenwohnungen und neuem VNC-Clublokal im Erdgeschoss.
Rennovation des Clublokals